Früchte verschiedener Walnuss-Sorten
Bild: © walnussbaum.info

Die Walnuss - Sorten und ihre Entwicklung in Deutschland

Kaum ein Verbraucher hat sich beim Kauf von Walnüssen schon einmal Gedanken um die Sorte gemacht. Und auch die Nussbäume auf der Streuobstwiese wurden nicht immer im Hinblick auf die Walnusssorten gepflanzt. Schließlich gehören sie alle der gleichen Art an. Die Größe der Nüsse fällt auf, mitunter auch die Form. Wer genauer hinsieht oder einen Walnussbaum sein eigen nennt, erkennt unterschiedliche Baummerkmale und Baumeigenschaften. Für Walnussproduzenten und Baumschulen spielen die Sorten aber eine wesentliche wirtschaftliche Rolle.

Alte Züchtungen und neue Wege - Walnuss im Wandel

Walnussfreunden ist Geisenheim ein Begriff. Hier, im milden Klima des hessischen Rheingaus, wird der Walnuss besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Weithin bekannt ist das "Deutsche Walnusssortiment". Es hat seinen Ursprung im Zeitraum von 1930 bis 1940. Eine Auslese von rund 1600 Mutterbäumen aus dem mitteleuropäischen Raum wurde damals in Geisenheim zusammengetragen. Aus dieser reinen Auslese - ohne züchterischen Eingriff - wurden etwa 10 bis 15 Herkünfte ausgewählt, die als vielversprechend für die Vermehrung galten. Nicht alle hielten, was sich die Baumschulen damals versprachen. Lediglich 7 der sogenannten "Nummernsorten" blieben bis heute erhalten.

  1. Geisenheim 26 (Geisenheimer Walnuss)
  2. Geisenheim 120 (Moselaner Walnuss)
  3. Geisenheim 139 (Weinheimer Walnuss)
  4. Geisenheim 175 (Scheßlitzer Walnuss)
  5. Geisenheim 286 (Spreewälder Walnuss)
  6. Geisenheim 1239 (Rote Donaunuss)
  7. Geisenheim 1247 (Kurmarker Walnuss)
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Die Auswahl hat sich an vielen Standorten deutschlandweit bewährt. Die Sorten zeichnen sich durch die Qualität der Nüsse aus. Als deutsches Standardsortiment sind sie verbreitet (mit Ausnahme von Nr. 175) im Handel erhältlich.

Bei der Selektion dieser Sorten in Geisenheim spielten eine Rolle:

  1. Das Fruchtgewicht, es sollte mehr als 9 Gramm betragen
  2. Die Schalenbeschaffenheit, eine dünne bis mitteldicke Schale wurde bevorzugt
  3. Das Gewichtsverhältnis vom Kern zur Schale
  4. Die Kernqualität, wie das Aroma, der Sitz in der Schale, die Farbe
  5. Die Resistenz gegen Fröste und typische Krankheiten
  6. Der Ertrag

In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg war es nur eine Sorte, die neu gezüchtet wurde. Die "Wunder von Monrepos (1983)" entstand in Geisenheim aus der Geisenheim 26 x Weinsberg 1.

Die großen Versuchsbaumschulen in Geisenheim wurden schließlich Ende der 1990er aufgegeben. Der Flächenbedarf und der Einsatz waren im Verhältnis zu den erst langfristig zu erwartenden zuverlässigen Ergebnissen zu hoch. Weiterhin Bestand hatten jedoch die Edelreisergärten. Hier wurden die bewährten Nummernsorten vermehrt. Nach der Jahrtausendwende wurde es ruhig in Sachen Walnusszucht, neue Versuche fanden nicht statt. Erst 2017 wieder wurde der Beschluss gefasst, dass die Walnussreiserbäume nicht der ungünstigen Lage und Einsparungsmaßnahmen zum Opfer fallen dürfen. Auf neuen Flächen sollen einige der wichtigsten Sorten wieder vermehrt werden. Hauptaugenmerk liegt neben den klassischen Sorten Moselaner (Nr. 120), Weinheimer (Nr. 139) und Kurmarker (Nr. 1247) auf der Wunder von Monrepos[7].

Auch im Osten Deutschlands in der Forschungsanstalt Dresden-Pillniz fanden gegen Ende des 20. Jahrhunderts Selektionen von Walnussorten statt. In den 1970ern bis 1980ern waren dies vor allem drei Sorten: Ockerwitzer Lange, Pillnizer Große und Seifersdorfer Runde. Leider wurde aber die Walnussforschung dort nicht weiterverfolgt, die Projekte wurden begraben.

In der staatlichen Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) im baden-württembergischen Weinsberg fanden im letzten Jahrhundert ebenfalls Arbeiten an der Walnuss statt. Einige neue Sorten entstanden, eine größere Rolle spielen jedoch heute nur noch die Weinsberg 1 und die rotkernige Red Rief. In der Zeit zwischen 1955 und 2000 wurden in schwerpunktmäßigen Abschnitten vor allem ungarische und deutsche Walnussorten aufgepflanzt. 2013 kamen weitere Exemplare aus Bulgarien, Rumänien und Tschechien sowie aus Holland dazu. Auf einer Fläche von rund 5,5 ha werden derzeit etwa 50 - 60 unterschiedliche Sorten gehegt und beobachtet.

Alte Züchtungen

Sorte Forschungsanstalt
Geisenheimer Walnuss (Nr. 26): Geisenheim
Kurmarker Walnuss (Nr. 1247): Geisenheim
Moselaner Walnuss (Nr. 120): Geisenheim
Ockerwitzer Lange Dresden-Pillniz
Pillnizer Große Dresden-Pillniz
Red Rief: LVWO Weinsberg
Rote Donaunuss (Nr. 1239): Geisenheim
Schesslitzer Walnuss (Nr. 175): Geisenheim
Seifersdorfer Runde Dresden-Pillniz
Spreewälder Walnuss (Nr. 286): Geisenheim
Weinheimer Walnuss (Nr. 139): Geisenheim
Weinsberg 1: LVWO Weinsberg
Wunder von Monrepos: Geisenheim

Walnuss - Hoffnungen für die Zukunft

Entgegen der zunehmenden Beliebtheit der Walnuss in Deutschland kommt dem Baum ansich noch zu wenig Aufmerksamkeit zu. Nach wie vor wird der Großteil aller Walnüsse und Nusskerne importiert. Auch das beliebte Walnussholz kommt aus fernen Ländern. Der Bestand insgesamt und vor allem einzelne Sorten scheinen in Deutschland gefährdet. Nicht zuletzt geht dadurch Potenzial in wirtschaftlicher Hinsicht verloren. Doch es gibt Hoffnung für Nussliebhaber und Baumfreunde.

Das Kuratorium "Baum des Jahres" wählte 2008 die Walnuss in der Sparte "Bekannte Unbekannte" und erinnerte so ein breites Publikum an die Vorzüge dieses Baumes. 2014 nahmen sich Spezialisten und Obstbauern der Walnuss an. Sie gründeten die Interessengemeinschaft Nord-Ost-Deutscher Walnussbauern. Ihr Ziel war es, den Anbau von Walnüssen in ihrer eher untypischen Region voranzutreiben. Sie wollten beweisen, dass auch in Nord- und Ostdeutschland die klimatischen Bedingungen für Walnüsse zufriedenstellend sein können. Ein weiterer Zusammenschluss lässt noch mehr Zukunftserwartungen aufkeimen. Die nord-ostdeutschen Walnussbauern haben sich mit der bereits 1991 gebildeten "Interessengemeinschaft Nuss" (IG Nuss) zusammengeschlossen. Zu ihrem gemeinsamen Ziel haben sie die Verbreitung der Walnuss in Mitteleuropa gemacht. Auch in Regionen, in denen bisher der Anbau nicht gewagt wurde, sollen Versuche starten. Ein Netzwerk aus Baumschulen, Nussproduzenten, den verarbeitenden Betrieben und nicht zuletzt den Händlern aufzubauen ist ein weiteres Ziel.

Kulturell war die Verbreitung der Walnuss schon immer eng mit dem Menschen verbunden. Und so bleibt die nicht unberechtigte Hoffnung, dass dieser dem starken Rückgang entgegenwirkt. Mutiger Anbau und die geeignete Sortenwahl für den jeweiligen Standort können schon bald im doppelten Sinn Früchte tragen.

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Literatur und Weblinks:

  1. Früchte, Beeren, Nüsse* | David Szalatnay, Markus Kellerhals, Martin Frei, Urs Müller | ISBN: 3258071942, S. 947
  2. Revival der Walnuss: Neues und altes Wissen zum Walnussanbau in Deutschland* | Vivian Böllersen, 2017, ISBN: 3922201954, S. 25-28
  3. Sortenwahl außerhalb der Weinbaugebiete | Vivian Böllersen | Pomologen-Verein Jahresheft 2017, S. 48-57
  4. Mehr Zukunft für Walnüsse aus Deutschland | Vivian Böllersen | Pomologen-Verein Jahresheft 2017, S. 63-66
  5. Sortenwahl bei der Walnuss | Friedhelm Haun | Pomologen-Verein Jahresheft 2017, S. 32-41
  6. Breeding, selecting and preservation of walnut varieties (Juglans regia L.) | fao.org
  7. Berichte-Blog der IG-Nuss Sektion Frucht | walnussbauern.de