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Männliche und weibliche Blüten auf einer Pflanze
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Befruchtung bei Walnussbäumen

Walnussbäume sind einhäusig (mönözisch), das bedeutet, dass männliche und weibliche Blüte auf einem Baum wachsen. Monözie kann eine natürliche Eigenart sein, aber auch angezüchtet. Bei dieser Form wachsen getrennt voneinander ausgebildet auf jeder Pflanze männliche und weibliche Blüten.

Beim Walnussbaum erscheinen die männlichen Blütenstände hängend, mit vielen einzelnen Blüten versehen. Diese Blütenstände, auch Kätzchen genannt, sind auffällig und weithin zu sehen. Die weiblichen Blüten sind eher unscheinbar. Nur wenige Einzelblüten erscheinen an den aufrechtstehenden Blütenständen. Die Bestäubung wird nicht durch Insekten, sondern durch den Wind vorgenommen.

Männliche Blüten (Kätzchen)

Im zeitigen Frühjahr, je nach Gegend ab Ende März, entspringen aus den vorjährigen Achselknospen die männlichen Blüten. Zwar sind alle männlichen Walnussblüten verhältnismäßig dick und meist walzenförmig. Die Form dieser Blütenknospen kann jedoch variieren, sie ist ein Sortenmerkmal. Bis Ende April, Anfang Mai erreichen die Kätzchen der Walnussbäume eine Länge zwischen 4 und 15 cm. Sind die Blütenstände reif, werden durch den Wind Millionen von Pollen verstäubt. In Untersuchungen wurden Entfernungen von einigen hundert Metern festgestellt.

Weibliche Blüten (Samenanlagen)

Die weiblichen Blüten entwickeln sich nicht in den Blattachseln, sondern endständig an den Trieben. Meist sitzen zwei bis drei Blüten zusammen. Schon in diesem Stadium ist am Ansatz die spätere Nuss erkennbar. Ein besonderes Kennzeichen der weiblichen Blüten sind die zwei Narben, sie sind groß und stehen weit auseinander. Erreicht die Blüte ihre Hochzeit, glänzen die grünen Narben und sind infolge der Drüsenausscheidungen klebrig. Durch diesen Trick der Natur kann die Befruchtung erfolgen, denn die durch die Luft fliegenden Pollen bleiben kleben. Im Laufe des Sommers entsteht aus dieser befruchteten Blüte die Walnuss.

Männlicher Blütenstand (Kätzchen)Männlicher Blütenstand (Kätzchen)
Bild: © walnussbaum.info
Weibliche WalnussblütenWeibliche Walnussblüten
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Dichogamie - Überschneidung in der Blütezeit

Nicht immer fällt die Vollblüte der männlichen Blüten mit der der weiblichen zusammen. Dies gilt auch für die Nussbäume. Hier wird in zwei Gruppen unterteilt: Bei den dichogramen Sorten fallen die männliche und weibliche Blütezeit eines Baumes zeitlich nicht zusammen. Bei den selbstfertilen Walnussbäumen überschneiden sich die Blütezeiten. Viele Walnusssorten sind nahezu dichogam, unter diese Kategorie fällt auch die Echte Walnuss. Hier blühen die männlichen vor den weiblichen Blüten. Die Zeitverschiebung kann enorm ausfallen, vier Wochen sind durchaus möglich. Dies macht eine Fremdbefruchtung der weiblichen Blüten notwendig.

Bei anderen Walnusssorten wiederum erscheinen die Blüten nahezu zur gleichen Zeit. Bei der überwiegenden Zahl dieser Nussbäume reifen die männlichen Blüten vor den weiblichen. Fachleute sprechen hier von Vormännlichkeit oder Proterandrie. Bei anderen, einigen wenigen, Sorten jedoch ist es genau umgekehrt. Die weiblichen Blüten reifen vor den männlichen, diese Eigenart wird Vorweiblichkeit oder Protogynie genannt. Je größer hier die Überschneidung ist, desto eher findet die Befruchtung vom eigenen Baum statt. Diese Sorten sind ideal als Solitärbäume in kleinen Gärten.

Bei den selbstfertilen Sorten kann nicht nur fremder, sondern auch der Pollen vom eigenen Baum zur Befruchtung führen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich die Blütezeit von weiblichen und männlichen Blüten überschneidet. Das heißt, der männlich Pollen muss reif und flugfähig sein, wenn die weiblichen Blüten voll erblüht und empfängnisfähig sind. Überschneiden sich diese Zeiträume nicht genügend, bleiben Bestäubung und Fruchtansatz aus. Aber auch hier hilft sich die Natur selbst: Je älter ein Walnussbaum ist, desto mehr verschieben sich die Blühzeiten von männlichen und weiblichen Blüten zueinander. Durch diese verkürzte Blühabfolge erhöht sich die Möglichkeit der Befruchtung und somit die Chance auf eine gute Ernte.

Walnussernte ohne Befruchtung

Eine Fremdbefruchtung kann beim Walnussbaum jedoch ebenfalls ausbleiben. Stehen im Umkreis von rund 500 m keine weiteren Exemplare, so verhilft auch die üppigste Blüte nicht zum Ertrag. Allerdings gibt es Walnusssorten, die ohne Bestäubung und daraus resultierende Befruchtung Nüsse ansetzen. Allerdings sind hier meist die Früchte klein und verkümmert. Auch taube Nüsse, nur mit Holzschale und ohne Kern, können die Folge sein. Durch Zucht wurde diese Möglichkeit allerdings selektiert, neuere Sorten versprechen einen besseren Fruchtansatz mit einer entsprechenden Ernte.

Klima, Witterung und Blütezeit

Ein weiterer Faktor, der sich auf die Blühabfolge auswirkt, ist das Klima. Dadurch wird generell oder aufgrund von Ausnahmeverhältnissen die Blütezeit bestimmt. Trockene, eisige Winter wirken sich anders aus als mildere mit ausreichend Niederschlag. Ein mildes Frühjahr mit frühzeitiger Bodenerwärmung bringt die Kätzchen früher zum Blühen. Und ganz nachdem, wie zur Blütezeit die Witterungsbedingungen sind, finden auch die Blühphasen statt. Ist es trocken und warm, dauert jede Blühphase, männliche wie weibliche, nur wenige Tage. Die Chancen auf eine ausreichende Überschneidung sinken. Ist es jedoch kühl und feucht - aber nicht zu kalt - ziehen sich die Blütenphasen über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen. Die Möglichkeit einer größeren Überschneidung steigt.

Veredelte Sorten für besseren Ertrag

Züchter machen sich verstärkt um Erfolge hinsichtlich der Blütezeit verdient. Ausgelesene Kultursorten bieten den Vorteil, dass die zeitliche Differenz der Blühabfolge minimiert ist. Zwischen der Vollblüte der weiblichen Blüte und der Samenreife der männlichen Blüte gibt es hier eine ausreichende Überschneidung. Auch die Eigenheit, dass Walnussbäume sogar ohne Befruchtung Nüsse ansetzen, wurde bei Kultursorten selektiert und verbessert. Deshalb ist es von Vorteil, sich beim Pflanzen eines Walnussbaumes für eine nach diesen Maßstäben veredelte Sorte zu entscheiden. Dies gilt vor allem dann, wenn nur für einen Baum Platz vorhanden ist. Können mehrere Bäume gepflanzt werden, sind unterschiedliche Sorten ideal, da so die Überschneidungs- und Befruchtungsmöglichkeiten optimiert werden.

Weitere Artikel:


Literatur und Weblinks:

  1. Echte Walnuss | europeonline-magazine.eu
  2. Echte Walnuss | wikipedia.org
  3. Revival der Walnuss: Neues und altes Wissen zum Walnussanbau in Deutschland* | Vivian Böllersen; ISBN: 3922201954, 2017, S. 12-13
  4. Ubersicht uber den Wissensstand der waldbaulichen Literatur zur multifunktionalen Bewirtschaftung der Walnuss (Juglans regia L.) unter Einbezug von Literatur Schwarznuss (Juglans nigra L.) | Carlo Riccardo Centonze, 2000, S. 19-20
  5. Nüsse und Quitten* | Gerhard Friedrich,‎ Werner Schuricht; ISBN: 3740200421, 1988, S. 38
  6. Befruchtung der Obstbäume | Fructus, Nr. 119 März 2016, S. 7
  7. Wie weit fliegen Pollenkörner | Rolf Holderegger, Markus Bolliger, Felix Gugerli.
  8. Seltene Obstarten im Garten | Siegfried Stritzke, 1985, S. 16
  9. Die Walnussgewächse: Juglandaceae* | Horst Schaarschmidt, ISBN: 3894323116, S. 43-50