Von Gallmilben befallene Walnuss-Blätter
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Gallmilben an der Walnuss

Zu den Schädlingen, von denen die Walnuss befallen werden kann, gehören Gallmilben (Eriophyidae). Die nur 0,08 bis maximal 0,3 mm kleinen Tiere bilden eine Unterklasse der Milben (Acari). Bekannt sind diese Spinnentiere auch als Pockenmilben. Der lang gestreckte Körper ist weißlich, wurmartig oder geringelt. Mit dem bloßen Auge sind Gallmilben nicht zu sehen. Nur wenn man mit der Lupe oder unter dem Mikroskop die befallenen Blätter betrachtet, kann man sie erkennen.

Dass Gallmilben so klein sind, verdanken sie ihrem besonderen Körperbau: Sie verfügen nicht wie andere Spinnentiere über vier Beinpaare, sondern haben nur zwei. Ihr Darm ist einfach, Ausstülpungen fehlen. Bemerkenswert ist, dass auch Herz und Kreislaufsysteme nicht vorhanden sind. Die Evolution hat vor den Gallmilben Halt gemacht, sie sind in ihrer Entwicklung stehen geblieben. Fossile Funde mit einem Alter von 37 Millionen Jahren unterscheiden sich kaum von den heute lebenden Tieren. Aufbau und Gestalt der Spinnentiere ist nach wie vor gleich.

Walnussschädling Gallmilbe

Fünf Gallmilbenarten sind derzeit bekannt, die die Walnuss befallen. Vor allem zwei Arten aus der Gattung Aceria sind im europäischen Raum stark verbreitet. An den Blättern der Walnuss entstehen durch die Saugaktivität der Gallmilben deutliche Verfärbungen. Auf der Blattoberseite ebenso wie auf der Unterseite zeigen sich Erhebungen, die Blattgallen.

Walnuss-Filzgallmilbe

Bereits 1891 hat der auf die Gattung Aceria spezialisierte österreichische Zoologe Alfred Nalepa die Filzgallmilbe beschrieben. Die auch unter dem lateinischen Namen Aceria erinea (syn. Eriophyes erineus oder Phytoptus erinea) bekannte Milbenart verursacht die Filzkrankheit. Sie ist erkennbar durch Gallen mit einer Länge von 4 bis 20 mm bei einer Breite von 4 bis 9 mm

Filzgallmilben sind 0,13 bis 0,17 mm lang und etwa 30 µm breit. Sie überwintern unter den Knospenschuppen der Walnuss. Im Frühjahr siedeln sich die Milben an der Unterseite der frischen Blätter an. Sichtbar werden sie nur durch die auf der Oberseite entstehenden Gallen. Sie heben sich durch ihre Farbe vom grünen Untergrund ab. Typisch für den Befall mit dieser Gallmilbenart ist die Filzbildung auf der Blattunterseite. In diesem haarigen Belag finden die Gallmilben ihren geschützten Lebensraum. Mehrere Generationen entstehen innerhalb nur einer Gartensaison. Rechtzeitig vor dem Winter ziehen sich die Filzgallmilben in die neu angelegten Knospen zurück. Auch wenn die Blätter auffällig aussehen, so ist doch der Befall mit Filzgallmilben sowohl für den Walnussbaum als auch für die Früchte ungefährlich.

Schadbilder durch Aceria erinea

BlattoberseiteBlattoberseite
BlattunterseiteBlattunterseite

Walnuss-Pockengallmilbe

Bei der Pockengallmilbe zeigt sich der Befall ebenfalls auf der Ober- und Unterseite der Walnussblätter. Die im Anfangsstadium grünen und sich später rötlich bis braun verfärbenden Knotengallen erreichen einen Durchmesser von 1 - 1,5 mm. Diese Gallen sind hohl, ihr Inneres ist behaart. Ihre Öffnung ist auf der Blattunterseite. Bezeichnend ist bei den Pocken, dass sie vermehrt am Blattrand auftreten. Die Pockenkrankheit ist sehr auffällig und gut erkennbar.

Im Inneren dieser Blattgallen leben die Walnuss-Pockengallmilben (Aceria tristriata, syn. Eriophyes tristriatus oder Phytoptus tristriatus. Auch sie haben den typischen wurm- oder spindelförmigen Körper. Sie sind sehr klein, mit Beborstung erreichen sie eine Länge von 0,1 bis 0,2 mm und eine Breite von lediglich 50 µm.

Ihr kurzer Entwicklungszyklus macht es ebenfalls möglich, dass mehrere Generationen innerhalb eines Gartenjahres heranwachsen. Die Pockengallmilbe durchläuft dabei Stadien vom Ei über die Larve und Nymphe bis zum erwachsenen Tier. Ruhephasen und Entwicklungsphasen wechseln sich dabei ab. Überwintert wird ebenfalls in den Knospen, auch Rindenritzen reichen ihr aus, die kalte Jahreszeit zu überstehen. Im Frühjahr setzt die Wanderung auf die Blätter ein. Durch das Saugen der Pockengallmilbe entstehen die typischen Gallen. Von diesem Spinnentier können bei einem starken Befall auch die Früchte befallen werden. Sie werden warzig. Diese unansehnliche Erscheinung schadet allerdings der Qualität der Nüsse nicht.

Schadbilder durch Aceria tristriata

BlattoberseiteBlattoberseite
BlattunterseiteBlattunterseite

Weitere Milbenarten

Drei weitere Milbenarten sind ebenfalls in Europa und in Nordamerika bekannt. Sie treten allerdings wesentlich seltener auf. Den Befall mit Vesates unfuiculatus erkennt man dadurch, dass sich die Blätter bräunlich verfärben. Die Milbe Erineum juglandium dagegen verursacht typische, längliche Ausstülpungen auf der Blattfläche. Die dritte bislang festgestellte Art von Gallmilben, die die Walnuss befallen, ist Oxypleuritus juglandis [1].

Vorbeugung und Bekämpfung

Der Befall mit Gallmilben sieht zwar interessant, aber nicht für jedermann appetitlich aus. Dennoch ist er nur ein optischer Makel. Ein wirklicher Schaden wird durch Gallmilben am Walnussbaum nicht angerichtet. Eine Bekämpfung mit chemischen Mitteln ist nicht notwendig. Sind nicht allzu viele Blätter von der Gallbildung betroffen, so können sie entfernt und vernichtet werden. Diese Störung veranlasst die Milben, sich einen anderen Wirtsbaum auszusuchen.

Weitere Artikel:


Literatur und Weblinks:

  1. Die Walnussgewächse: Juglandaceae* | Horst Schaarschmidt, ISBN: 3894323116, S. 148
  2. Seltene Obstarten im Garten | Siegfried Stritzke, 1985, S. 27
  3. Pomologen-Verein Jahresheft 2017, S. 16
  4. Nüsse und Quitten* | Gerhard Friedrich,‎ Werner Schuricht; ISBN: 3740200421, 1988, S. 51
  5. Aceria erinea | Spinnenforum Wiki
  6. Walnuss-Pockenkrankheit | arbofux.de
  7. Gallmilben an Walnuss | arbofux.de