Färben mit Walnussschalen
Bild: © Heike Rau - 123rf.com

Walnuss als Färbemittel

Wer einen Walnussbaum sein Eigen nennt oder die Gelegenheit hatte, frische Walnüsse selbst zu sammeln, hat bestimmt schon eine Überraschung erlebt: Spätestens dann, wenn man die grüne, fleischige Schale von der braunen Nuss trennen möchte, erlebt ihre Färbekraft. Finger, aber auch Kleidungsstücke werden intensiv graubraun bis schwarz. Mitunter reicht sogar ein Gang durch herabgefallenes Walnusslaub aus, um helle Schuhsohlen und Schuhe für immer zu verfärben.

Diese typische Reaktion wird durch den Farbstoff der Walnussgewächse (Juglandaceae), das Juglon, verursacht. Auch der hohe Gerbstoffgehalt trägt zu den Verfärbungen bei. Wer die Walnuss mit bloßen Händen aus der grünen Hülle befreien möchte, verspürt die Wirkung des Gerbstoffes im wahrsten Sinn des Wortes an der eigenen Haut. Sie verfärbt sich nicht nur, sondern verändert sich fühlbar.

Seiteninhalt

  1. Färbende Bestandteile des Walnussbaumes und ihre Eigenschaften
  2. Das Färben mit der Walnuss
  3. Tipps und Tricks zum Färben mit der Walnuss
  4. Walnusstinte herstellen
  5. Interessantes und Wissenswertes
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1. Färbende Bestandteile des Walnussbaumes und ihre Eigenschaften

Die färbenden Eigenschaften der Bestandteile des Walnussbaumes wurden schon früh von den Menschen entdeckt und zu Nutzen gemacht. Rinde, Blätter und vor allem die Fruchtschalen werden dafür herangezogen. Gefärbt werden Naturmaterialien wie Wolle, Seide, Leinen, Holz, Felle und nicht zuletzt die Haare. Die Skala der Farbtöne von lichtem Gelb über Hellbraun bis zu einem tiefen, warmen Braun fand rasch Anklang. Verwendet wurden die einheimischen Walnussarten, in Europa Juglans regia, in Nordamerika Juglans nigra (Schwarznuss) und Juglans cinerea (Butternuss).

Wer heutzutage mit der Walnuss färben möchte, braucht dazu keine Vorbeize. Die enthaltenen Gerbstoffe übernehmen diese Aufgabe, sie machen das zu färbende Material aufnahmefähig. Je nach verwendetem Pflanzenteil der Walnuss ergeben sich leicht unterschiedliche Farben: Die grünen Schalen der Walnuss erzeugen einen harmonischen Braunton. Nimmt man zum Färben die bereits verholzten Schalen, erzielt man Nuancen von Beige bis Braun. Frische Walnussblätter verleihen Naturmaterialien gelbe, goldbraune und braune Töne.

Je später im Jahr man die Walnussblätter pflückt, desto mehr Gerbsäure enthalten sie und desto intensiver werden die Farben. Die grünen Fruchtschalen sind dann zum Färben ideal, wenn sie bereits dunkle Stellen und erste Risse zeigen. Sie können durch zügiges Trocknen haltbar gemacht werden, sodass Färbereien rund ums Jahr möglich sind. Zum Trocknen an der Luft eignen sich große, flache Siebgestelle, hier muss auf Schimmelbildung geachtet werden. Am besten dreht man die Schalen regelmäßig um und legt sie nicht zu dicht aus. Möchte man sie im Backofen trocknen, schützen Backpapier oder -folie das Blech.

2. Das Färben mit der Walnuss

Das Färben mit den Pflanzenteilen der Walnuss bringt einen großen Vorteil mit sich: Heißes Wasser oder gar Kochen ist nicht notwendig. Ein Auszug im kalten Wasser oder wahlweise bis zu 40 °C reicht für einen erfolgreichen Färbevorgang aus. Die Farbintensität wird überwiegend durch die Menge der Walnussbestandteile reguliert. Was gefärbt werden soll, wird trocken gewogen. Eine 0,5 bis 8-fache Menge des Stoffgewichts kommt an Färbematerial dazu. Es entscheidet, wie hell oder dunkel der Stoff werden soll. Seide und Wolle nehmen die Farbe besser auf als Baumwolle.

Frische Fruchtschalen und Blätter färben nicht so intensiv wie getrocknete, von ihnen braucht man etwa die doppelte Menge, um ein ähnliches Ergebnis zu erzielen. Ein in der Farbtiefe gleichmäßigeres Ergebnis bekommt man, wenn man gemahlene Walnussschalen* verwendet. Die Dosierung von Walnusspulver ist einfach: Sind ganz dunkle Farbtöne gewünscht, nimmt man das Pulver 1:1 im Verhältnis zum Stoffgewicht. Mittlere Farbtöne erzielt man mit der Hälfte, für helle und sehr helle Färbungen reichen 40 - 10 % des Stoffgewichts.

Färben im kalten Wasser

Etwas Vorbereitung - allerdings ohne großen Arbeitseinsatz - ist beim Färben mit der Walnuss nötig. Für das Färben mit kaltem Wasser wird das Färbemittel wie Blätter oder Schalen mindestens einen Tag lang in der benötigten Wassermenge liegen gelassen. Danach kommt der ungebeizte Stoff ein bis zwei Tage in den kalten Auszug. Er färbt sich im Wasser gelblich-grün. Erst beim Trocknen zeigt sich die spätere Farbe, sie wird fahlgelb bis braun.

Färben im warmen Wasser

Soll ein Stoff im warmen Wasser gefärbt werden, kocht man Walnussschalen mit reichlich Wasser bedeckt auf und lässt sie eine Stunde leicht simmern. Danach nimmt man den Topf vom Herd und lässt die Schalen über Nacht ziehen. Vor dem Färben wird das Wasser abgeseiht, um es gründlich von den Schalen zu befreien. Jetzt kann man den Stoff einlegen, er sollte vollständig unter Wasser sein. Anschließend wird das Wasser wieder erhitzt, je nach Verträglichkeit des Stoffes auf 35 bis 40 °C. Die Temperatur wird über ein bis zwei Stunden gehalten. Gelegentliches Umrühren sorgt für eine gleichmäßigere Färbung. Der Farbton wird intensiver, je höher der Sud erhitzt wird. Auch eine mehrmalige Prozedur erhöht die Farbintensität.

Nach dem Färben wird der Stoff separat gewaschen, damit sich die überschüssige Farbe löst. Eine Essigspülung kann dazu beitragen, dass die Farbe noch länger intensiv erhalten bleibt. Ist der Stoff für die Maschinenwäsche geeignet, darf das separate Waschen auch in der Maschine erfolgen.

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Das Walnussschalenpulver eignet sich als Färbemittel oder zur Herstellung eines Walnussschalenextrakts.

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3. Tipps und Tricks zum Färben mit der Walnuss

Handschuhe, Schürze - und am besten alte Kleidung darunter - sind beim Färben mit der Walnuss wichtig.

Der Stoff sollte während und nach dem Färben nicht ausgewrungen werden, sonst können Streifen entstehen.

Wer kreativ färben möchte, verlässt sich auf Batiktechniken oder behandelt den Stoff mit Beizen vor. Beim Einsatz vom Chrom verstärken sich die Farben, Eisensulfat erzeugt einen matteren und dunkleren Effekt. Ein ansprechendes Rotbraun erreicht man, wenn man Pottasche verwendet. Durch Tonerzbeize entstehen dagegen Rosé- und Rosenholztöne.

Kochende Walnussschalen riechen stark. Das Färben wird deshalb am besten in einem Raum durchgeführt, den man gut lüften kann, oder, wenn möglich, gleich im Freien.

Nach dem Färben kann der Farbsud aufbewahrt werden, sodass er für neue Färbearbeiten wieder zur Verfügung steht. Allerdings eignen sich nicht alle Behälter zur Aufbewahrung. Plastik kann bei längerer Lagerung stark angegriffen werden, Glasbehälter sind dagegen ideal.

4. Walnusstinte herstellen

Nicht nur Kalligraphen freuen sich über eine besonders schöne Tinte. Walnusstinte selber machen kann jeder. Alles, was man braucht, sind getrocknete Walnussschalen und Wasser.

Auf 500 ml Wasser kommen 50 g Schalen. Sie werden in einen alten Topf gelegt und mit dem kochenden Wasser übergossen. Eine dunklere Farbtinte erzielt man, wenn man ein paar rostige Nägel mit in den Topf gibt. Jetzt ist Geduld angesagt, zwei bis drei Stunden sollte der Sud köcheln. Eventuell muss Wasser nachgegossen werden, damit er nicht zu sehr eindickt und anbrennt. Nach dieser Zeit kann der erste Schreibversuch starten. Meist dauert es aber sechs oder gar bis zu acht Stunden, bis die Tinte nach dem Trocknen eine tiefbraune Schrift ergibt.

Ist der gewünschte Farbton dann erreicht, wird die Walnusstinte fixiert, damit sie länger haltbar ist. Dazu gibt man einen halben Teelöffel Salz und einen halben Teelöffel Essig in die Tinte. Hat sich das Salz durch Umrühren aufgelöst, ist die Tinte fertig und kann zum Abschluss durch ein feines Tuch gefiltert werden. Im fest verschlossenen Glas wird die Walnusstinte bis zum Gebrauch aufbewahrt.

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5. Interessantes und Wissenswertes

Korbmacher verwenden seit jeher Walnussfarbstoff, um den Körben diese unvergleichlich natürlich wirkenden Brauntöne zu verleihen.

Selbst moderne Naturkosmetik setzt auf die Walnuss. Ihre Extrakte sind in Haarfärbemitteln und Selbstbräunern enthalten.

Farbechte Strümpfe, die im Hugenottendorf Leckringhausen herstellt wurden, wurden im 18. Jahrhundert mithilfe der Walnuss zum begehrten Produkt.

Die frühen Siedler Amerikas färbten ihre handgesponnene Wolle ebenfalls mit Walnussbestandteilen. Sogar zu einem Spitznamen haben die Walnuss und ihre Farbkraft in Amerika beigetragen. Die Südstaatensoldaten trugen während des Bürgerkrieges von 1861 - 1865 Uniformen, die mit der Butternuss gefärbt wurden. "Butternut" wurde zum Schimpfwort für sie, jeder wusste, wer damit gemeint war.

Weitere Artikel:


Literatur und weiterführende Links:

  1. Die Walnussgewächse: Juglandaceae* | Horst Schaarschmidt, ISBN: 3894323116, S. 154
  2. Landlust - Sonderheft "Naturrezepte", 2019, S.33, 36
  3. Manfred Seydel, Pomologen-Verein Jahresheft 2017, S.87-88
  4. Dye With Walnut | dyeing-crafts.co.uk